Unsere Geschichte... (Ingrid van Aalst berichtet)

2006
Mai 10

Wie alles begann

2006 reise ich als ehrenamtliche Übersetzerin nach Togo und schließe das Land und seine Menschen in mein Herz. Ich lerne den hochrangigen togolesischen Zollbeamten Elias Ahadzi kennen, der mich in sein kleines Heimatdorf Agbétiko einlädt, 120 Kilometer nördlich von Lomé. Dieser Besuch macht mir klar, dass die Bildungschancen der auf dem Land lebenden Kinder und Jugendlichen dringend verbessert werden müssen, um ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Zurück in Deutschland suche ich nach Möglichkeiten, mich für diese Kinder zu engagieren und stoße auf den niederländischen Verein Child Care Afrika in Enschede, NL .

Da dieser Verein im Jahr 2002 auch im Vereinsregister des Amtsgerichtes Ahaus eingetragen wurde, aber aus Unkenntnis der deutschen Gesetze über keinerlei Vereinsstruktur verfügt, bittet mich der holländische Vorstand , die bürokratischen Voraussetzungen für eine ordentliche Vereinsarbeit zu schaffen.

2007
Juli 19

Schenkung des Grundstücks

Ein großer Teil des Jahres vergeht damit, sich Kenntnisse anzueignen über die sehr komplexen Bestimmungen der Vereinsführung. Bald werden die ersten Ergebnisse unermüdlicher Bemühungen sichtbar. Der Sitz des Vereins wird nach Bocholt verlegt; er erhält eine juristisch abgesicherte Satzung und den ersten ordentlich gewählten Vorstand. Etwa gleichzeitig tragen auch die Bemühungen in Togo erste Früchte. Der Ältestenrat des Dorfes Agbétiko mit ihrem König Leleklelée III an der Spitze, schenkt dem Verein ein 5000 m² großes Grundstück. Die Schenkungsurkunde - acte de donation – wird mir im November im Rahmen einer Sonderversammlung des Dorfkomitees vom Präfekten persönlich überreicht. Ein Präfekt ist eine hochgestellte politische Persönlichkeit in Togo. Er wird vom Staatspräsidenten auf unbestimmte Zeit zum Leiter einer Präfektur ernannt, die in etwa einem Regierungsbezirk entspricht und von denen es 30 in Togo gibt. Der erste Schritt ist getan, die Erfüllung eines Traumes ist ein Stückchen näher gerückt: Das Grundstück ist da, die Unterstützung des Präfekten, die Begeisterung des Dorfes und seines Königs ebenfalls, es fehlt nur noch eins - das Geld. Es klingt fast wie ein Märchen, aber es ist beweisbare Realität: Noch im Dezember des gleichen Jahres befindet sich die erste Summe auf dem Child Care Afrika – Konto, gespendet von Herrn Thomas Stell, dem Geschäftsführer der Stell GmbH, Bocholt. ( Dass Herr Stell ein solches Vertrauen in meinen noch sehr jungen Verein setzte, dafür kann ich ihm gar nicht genug danken).

2008
Januar 3

Kooperationsvereinbarung mit Engel & Völkers

2008 gelingt es mir, Christian Völkers, den Gründer und CEO des Immobilienunternehmens „Engel & Völkers“ für meine Sache zu gewinnen. Dieser gründet den Verein „Engel & Völkers Charity“, und gibt eine langfristige Spendenzusage für den Bau, den Unterhalt und die Instandhaltung einer Grundschule in Agbétiko. Ein Riesenerfolg!

2009
Mai 1

Grundsteinlegung und Gründung ASED

Im Mai wird in Lomé der togoische Partnerverein gegründet, der den Namen ASED erhält. Die Buchstaben stehen für die Worte „Association pour la scolarisation des enfants demunis“ und bedeuten „Verein für die Schulbildung bedürftiger Kinder“. Sein Präsident wird unser Freund und Berater Elias Ahadzi. Geldtransfers sind ab sofort bedenkenlos durchführbar, müssen doch 3 der 7 Vorstandmitglieder gemeinsam den Scheck unterschreiben mit dem Geld vom Vereinskonto abgehoben werden soll. Der Schulbau kann beginnen! Doch zuvor muss die Grundsteinlegung feierlich zelebriert werden, zu der sämtliche Dorfhonoratioren, mindestens 3 Dutzend Könige der Nachbardörfer sowie Vertreter der beiden Hauptkirchen eingeladen werden. Das Blasorchester spielt, der Kirchenchor singt, und viele Reden werden gehalten, die Elias für uns ins Französische übersetzen muss, da die Mehrzahl der Könige nur ihre Stammessprache „Ewe“ spricht. Dann ist es endlich soweit. Die Errichtung des Gebäudes haben wir dem CVD = Dorfentwicklungskomitee übertragen. Fast alle Dörfer in Togo haben ein solches Komitee, das sich aus ausgebildeten Handwerkern aller Sparten zusammensetzt, die gemeinsam Bauprojekte ausführen, aber leider den größten Teil des Jahres ohne Arbeit sind. Mit den Herstellen der Steine und dem Ausheben der Gräben für die Fundamente – alles von Hand – beginnen die Arbeiten.
2010
Juli 19

Einweihung des ersten Schulgebäudes

Das Schulgebäude für 3 Klassen ist fertiggestellt und mit kleinen Tischchen und Stühlen ausgestattet für unsere 20 Vorschulkinder, die zuvor sorgfältig ausgewählt wurden. Fast alle sind Waisen oder Halbwaisen oder stammen aus Familien, die nicht in der Lage sind, ihre zahlreichen Kinder zu ernähren. Zur Einweihungsfeier, die jetzt in einem weit größeren Rahmen stattfindet als die der Grundsteinlegung, ist auch Ninon Völkers als Vertreterin der Engel & Völkers Charity angereist. In Anwesentheit des deutschen Botschafters, des Vertreters des Erziehungsministers, des Präfekten und des Abgeordneten der Präfektur Agou in Lomé – ein Onkel des Staatspräsidenten – werde ich zur Königin – Mutter von Agbétiko ernannt, mit königlichen Gewänder eingekleidet und mit königlichen Insignien (Armband, Kette und Krone) geschmückt.

2011
Juli 19

Einweihung der Villa Stell

Unsere Vorschulkinder wechseln in die erste reguläre Grundschulklasse, und 20 neue Vorschulkinder rücken nach. Ab sofort wohnen wir während unserer Togoaufenthalte in der gerade fertiggestellten Villa Stell, die über zwei Schlafzimmer, eine Dusche, ein Wohnzimmer und eine kleine Küche verfügt. Ein großer überdachter Anbau gibt unseren Schülern die Möglichkeit, auch bei strömendem Regen, den Klassenraum verlassen zu können und zu spielen.

2012
Juli 19

Einweihung des Waisenhauses

Zum Ende des Schuljahres ist das Waisenhaus fertiggestellt und dieses Mal sind es Ina Schlüter - Vorstand der Engel & Völkers Charity, Sabine Prüshoff - eine Freundin & Unterstützerin aus Nienburg und Andreas Hüls aus Bocholt, die mich zur Einweihungsfeier begleiten.

2014
Januar 31

Baubeginn der 240 Meter langen Schutzmauer

Vier Männer befinden sich dieses Mal in meiner Begleitung. Andreas Hüls, Florian Schillings, Michael Ebbert und Daniel Krasemann (genannt Düsi). Sie alle sind Fachleute auf dem Gebiet des Häuserbauens, und wollen den Baubeginn der 240 Meter langen Schutzmauer um unser gesamtes Grundstück begleiten. Es wird für alle vier eine anstrengende arbeitsreiche Woche. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen: der Graben für das Fundament ist zur Hälfte ausgehoben; Hunderte von geformten Steinen liegen zum Trocknen in der Sonne und die ersten Meter gemauerter Fundamente überragen den Grabenrand. Der einzige Wermutstropfen: ich breche mir auf dem Rückweg zum Flughafen den rechten Unterarm – und das gleich zweifach. Ein bleibendes Souvenir!

September 19

Einweihung des 2. Schulgebäude

Pünktlich zum Beginn des Schuljahres 2014 kann das 2. Schulgebäude unserer Grundschule mit 4 Klassenräumen seinen Unterrichtsbetrieb aufnehmen.

Jetzt können insgesamt 100 Schüler in fünf großzügigen Klassenräumen unterrichtet werden.

Gleichzeitig wird die “clôture“ (Schutzmauer) fertiggestellt, die sich mit 240 m Länge rund um das gesamte Grundstück zieht. Sicherheit für unsere Kinder ist ein wichtiges Ziel. Jetzt können sie in den Pausen auf dem Schulhof herumtollen, ohne dass die Lehrer ständig Angst um ihren Verbleib haben müssen.

2015
August 30

Herzlichen Glückwunsch zum Staatsexamen!

Die Freude ist riesengroß! Haben doch 4 der 5 Lehrer, die an unserer Schule unterrichten, ihr Staatsexamen bestanden. Einen ganzen Schultag lang haben 3 Prüfer der regionalen Schuldirektion und die „inspectrice pédagogique“ – vergleichbar mit einer Schulrätin – unsere vier Lehrer auf Herz und Nieren geprüft. Diese hatten drei Jahre lang – unterrichtsbegleitend – zweimal wöchentlich an Ausbildungsseminaren teilgenommen; nun sind sie staatlich examiniert und können an allen staatlichen Schulen des Landes unterrichten. Herzlichen Glückwunsch!

Dezember 18

Versendung des ersten Containers mit Hilfsgütern u.a. mit einem gesponserten Land Rover

Am 18. Dezember 2015 ist es endlich soweit! Unser erster Container geht auf die Reise nach Antwerpen und von dort nach Lomé. Ungeübt, wie wir sind, hat es viele Mühe gekostet, ihn fachgerecht zu beladen und besonders ihn speditions- und zolltechnisch vorzubereiten.

Wir haben aber außerordentliches Glück, dabei von einer Organisation unterstützt zu werden, die im Jahr 2014 in Hamburg gegründet wird und die sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinnützige Organisationen bei der Abwicklung logistischer Herausforderungen zu unterstützen.

Da bei kleinen Hilfsorganisationen die Abwicklung der Logistik nicht zum Tagesgeschäft gehört, ist dies mit viel Mühe und Aufwand (finanziell und personell) verbunden. Deshalb sind wir sehr glücklich, als meine Tochter mir mitteilt, Herrn Brich, den Gründer des Unternehmens HLO (Humanitarian Logistics Organisation e.V.) kennengelernt zu haben.

Planmäßg soll der Container Ende Januar 2016 im Hafen von Lomé ankommen; so dass ich meine Togo-Reise auf Anfang Februar 2016 verschiebe. Mein Togo-Team – allesamt Experten in Planung, Entwicklung und Konstruktion von Gebäuden – fliegt allein im Januar 2016 nach Togo.

2016
Januar 6

Die Grundmauern beginnen zu wachsen

Am 06. Januar machen sie sich auf den Weg nach Agbétiko;  Isil Celiktepe-Arslan, Deniz Celiktepe, Michael Ebbert und Thomas Krahl – unser verlängerter Arm in Togo. Dieses Mal – es ist sein zweiter Einsatz für uns – hat er sich bereit erklärt, für zwei Jahre das Projekt zu leiten.

In Agbétiko wartet bereits das Dorfentwicklungs-Komitee und gemeinsam werden die Vorarbeiten für die Errichtung des zweistöckigen Mensagebäudes vorgenommen: ausmessen, abstecken, Höhen austarieren – denn das Gelände hat ein starkes Gefälle.

Als sie nach 10 Tagen intensiver Arbeit die Heimreise antreten, sind die Fundamente ausgehoben – von Hand natürlich – und die Grundmauern beginnen zu wachsen.

Februar 3

Zollabfertigung des Containers

Der Container ist im Hafen von Lomé eingetroffen, aber es wird noch mindestens 10 Tage dauern, bis er ihn verlassen kann. Solange dauert die Zollabfertigung.

Februar 12

Installation von modernen Schultafeln

Der Container ist inzwischen in Kpalimé eingetroffen und entladen , nur das Auto muss zur weiteren Bearbeitung im Hafen bleiben. Die Schultafeln sind ein Geschenk der Stadt Hamminkeln. Um sie fachgerecht in den Klassenräumen zu installieren, hat sich Andreas Schlebes, einer der Hausmeister der Stadt, bereit erklärt, mich nach Togo zu begleiten. Die riesengroße Freude der Lehrer über die Tafeln entschädigt die „Tafelbauer“ für die Strapazen der Installation. Bis zum Rückflug bleiben noch zwei Tage, in denen Andreas, der gelernte Schreiner, bei 40 Grad im Schatten alle schlecht oder gar nicht mehr funktionierende Türen repariert und Regalböden einbaut. Ich habe den Eindruck, dass er uns noch öfter mit nach Agbétiko begleiten wird.

August 7

Begutachtung der neuen Gebäude

In meiner Begleitung befindet sich dieses Mal Ina Schlüter, Geschäftsführerin der Engel & Völkers Charity. Ihre Intention ist die Begutachtung der neuen Gebäude sowie die Inspektion des Grundstückes, auf dem im kommenden Jahr das collège (=Realschule) errichtet werden soll. Nach dem obligatorischen Besuch in der Botschaft und einem Abstecher nach Togoville am Lac Togo erleben wir eine Premiere. Thomas bringt uns mit unserem eigenen Landrover, bei dem nicht nur Radio und CD-Player sondern auch die Klimaanlage einwandfrei funktionieren, nach Agbetiko. Dort staunt sie nicht schlecht, als wir uns dem Zentrum nähern, hat sie doch das 2. große Schulgebäude, die beeindruckende Mauer und das neue -zwar nur halbfertige- Mensagebäude noch nicht gesehen. Ihr letzter Besuch liegt 4 Jahre zurück! Noch erstaunter ist unsere neue Mitarbeiterin Silke Sieverdingbeck, die den ganzen Komplex zum ersten Mal sieht. Sie kommt am 10. September 3 Tage bevor Ninon Völkers aus Hamburg zu ihrem alljährlichen einwöchigen Besuch zu uns stößt. Den Höhepunkt aber bildet die Ankunft von Christian Dangelmaier, dem Inhaber der ON AIR Videoproduktion. Mit zitternden Knien erwarten wir zu fünft am Donnerstag dem 15. September seine Ankunft am funkelnagelneuen Flughafen in Lomé. Die Freude ist riesengroß, als er mit kompletter Filmausrüstung plus Drohne unbelästigt und fröhlich vor uns steht. Entstehen werden mehrere wunderschöne mit passender Musik unterlegte Videos, die wir bei passender Gelegenheit stolz vorführen. Einen Wermutstropfen gibt es: Elias unser Partner hat sich kurz vor unserer Ankunft operieren lassen müssen, und befindet sich zur Rehabehandlung in Frankreich.  
2017
Januar 21

Hoher Besuch kurz vor Fertigstellung des Mensagebäudes

Michael ist im Januar zum 4. mal dabei! Das neue Mensagebäude, von den Einheimischen "refectoire" genannt, liegt ihm am Herzen. Die Arbeiter sind inzwischen mit dem Innenausbau beschäftigt. So kurz vor der Fertigstellung muss noch einmal alles überprüft werden: und Michael ist mit dem Ergebnis hoch zufrieden! Für den 21. Januar hat sich der Botschafter Herr Sander für einen Besuch angesagt. Das ganze Dorf ist in Aufruhr! Noch niemals vorher war eine so hochgestellte Persönlichkeit im Dorf gewesen. Es werden Reden gehalten, getanzt und natürlich gegessen. Massa unsere Köchin hat sich richtig viel Mühe gegeben: Fufu gibt es, das höchste Feiertagsgericht, zubereitet mit Fleisch von Agutis (= Nagetiergattung). So schön wie der Besuch war, so schrecklich ist das, was danach geschieht: ein junger Mann fährt unserem Thomas frontal vor das Auto und reißt sich den rechten Fuß ab. Obwohl Thomas keine Schuld hat, übernehmen wir die Kosten für die 1. Operation. Es muss aber noch eine 2. OP (Knochentransplantation) vorgenommen werden. Wir warten zur Zeit auf einen Termin und einen Kostenvoranschlag, damit wir dann umgehend mit unserer Spenden-Sammel-Aktion beginnen können.
März 4

10 Jahre Child Care Afrika

Wir feiern unser 10jähriges Bestehen... und freuen uns auf weitere tolle Projekte...